Home » Judentum - Beiträge » Shavouth » Die Gabe der Torah – ein universaler Wert

Über diese Website

Hier finden Sie Informationen über die Geschichte und Gegenwart der Jüdischen Gemeinde, über das neue Haus, über aktuelle Veranstaltungen, darüber, wie Sie uns erreichen können und vieles mehr. Über Ihre Anregungen freuen wir uns und wenn Sie Fragen haben, können Sie jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Die Gabe der Torah – ein universaler Wert

Shavuoth, das Wochenfest

Dieses Jahr, am 21. Mai, wird das jüdische Volk in der ganzen Welt “Shavuoth”, das Wochenfest feiern. Es ist einer der drei Feiertage, an denen dem ganzen Volk Israel geboten war, eine Pilgerfahrt zum Tempel nach Jerusalem zu machen. 5. Mose 16, 9-12: „Sieben Wochen sollst du zählen und damit anfangen wenn man zuerst die Sichel an die Halme legt und sollst (am fünfzigsten Tag) dein Wochenfest halten dem Herrn deinem Gott…“ (‘Wochen’ heißt auf hebräisch ‘Shavuoth’) In der Torah wird dieser Feiertag auch mit anderen Namen bedacht, wie „Fest der Ernte“ (2. Mose 23, 16) und „Tag der Erstlinge“ (4. Mose 28, 26). Die letzten beiden Namen bezeugen den landwirtschaftlichen Hintergrund dieses Festes, der während der Zeit des zweiten Tempels (vom Ende des 5. Jh. v.d.Z. bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n.d.Z.) dessen Charakter herausragend bestimmte. Das ganze Volk pilgerte nach Jerusalem und brachte die erste Ernte mit, als Geschenk an die Priester des Tempels. Im Christentum, das diesen Feiertag adoptiert hat, – aber mit anderen, eigenen Bedeutungen – wurde er auf griechisch wie auch auf englisch „Pentecoste“ genannt, bei uns „Pfingsten“, der fünfzigste Tag. Wir finden im Neuen Testament in Apg 2,1, daß die Apostel und auch die erste christliche Gemeinde, die vor allem Juden waren, das Wochenfest mit dem Hintergrund ihres spezifischen Glauben an Jesus gefeiert haben, das nach ihrem Glauben der fünfzigste Tag nach der Auferstehung Jesu war. Für mich ist es an diesem hohen Feiertag wichtiger, sich auf seine zusätzliche Bedeutung zu konzentrieren, eine Bedeutung, die in der Torah überhaupt nicht erwähnt wird – ihr Echo aber hallt nach und wird nachhallen auf ewig. Eine zutiefst bedeutungsvolle Änderung haben unsere Weisen für diesen Tag bewirkt, als sie ihn von einem hauptsächlich landwirtschaftlichen Feiertag zum Tag der Übergabe der Torah gewandelt haben. Nach der Berechnung unserer Gelehrten hat Mose an diesem Tag die Torah am Berg Sinai aus den Händen Gottes erhalten. Es fällt schwer, die Zeit genau zu bestimmen, in der diese zusätzliche, neue Bedeutung eingeführt wurde, aber höchstwahrscheinlich war es in der Zeit des zweiten Tempels. Solange der Tempel existierte, war die Bedeutung des Wochenfestes eine mehr landwirtschaftliche; nach der Zerstörung des Tempels und dem Ausgang ins Exil, bekam die Übergabe der Torah an das Volk Israel herausragende Bedeutung. Die Torahübergabe bedeutet in der jüdischen Tradition die Akzeptanz der zwei Tafeln, die Mose aus den Händen Gottes erhalten hatte, auf welchen die Zehn Gebote eingraviert waren; sie sind der Höhepunkt und das zentrale Thema unserer Torah. Die ganze Torah konzentriert sich um die Zehn Gebote, erklärt sie und dient ihnen. Die letzten fünf Gebote sind in der antiken Welt sehr bekannt – sie handeln von Regeln und Gesetzen zwischen dem Menschen und seinem Nächsten, ohne die keine menschliche Gesellschaft existieren kann: Verbot von Mord, Unzucht, Stehlen, falsches Zeugnis reden, Begehren des Besitzes deines Nächsten. Heute möchte ich mich aber auf die grundlegenden Erneuerungen in den ersten Geboten konzentrieren: Zum ersten das absolut transzendente Konzept von Gott; der Gott Israels steht über- und außerhalb der Natur. Und die ganze Natur, im Himmel, auf der Erde und unter dem Meer, ist das Ergebnis seiner Schöpfung, die Gott nach seinem Willen geschaffen hat. Daher erklärt sich auch eine praktische Erneuerung: man soll Gott nicht beschreiben, kein Bild, keine Statuen und keine andere Darstellung von ihm fertigen, die irgend etwas in der Natur ähnlich ist, sowie das Verbot den Namen Gottes unnütz zu erwähnen. Zum zweiten: Gott ist einer und es gibt keinen zweiten oder anderen. Er war, er ist und er wird sein, als erster, vor allem und als letzter. Dies ist die Grundlage des monotheistischen Glaubens, des Glaubens an den einen und einzigen Gott – dies ist der Glaube Israels. Und zum dritten ist das Thema des Shabbats (Samstag) in den Zehn Geboten eine wichtige Erneuerung. Der Name Shabbat und die Verbindung mit einem bestimmten Tag war wahrscheinlich im antiken Osten bekannt, vielleicht schon vor der Entstehung des Volkes Israel. Aber in Israel bekam der Shabbat durch die Zehn Gebote eine einzigartige neue Bedeutung. Der Shabbat ist ein Feiertag der Ruhe und Erholung für alle die, die Arbeit verrichten und etwas leisten – für jeden Menschen und alle Tiere. Aufgrund dieser universalen Erneuerungen ist das Wochenfest, Shavuoth, als Feiertag der Übergabe der Torah nicht nur ein jüdisch-israelisches Fest, sondern hat eine sehr tiefe Bedeutung für alle Religionen und Völker.

Amnon Orbach

Hier finden Sie uns

Adresse:
Liebigstraße 21a
35037 Marburg

Telefon:
+49 6421 407430

E-Mail:
jg-marburg@web.de

Social media:
Youtube
Facebook